Tagebuch eines ungelesenen Buches

19. Eintrag, 26. März 2013 (Bildquelle © virtua73/Fotolia)

 

Die Zeit bis zum Erscheinen meines Buches wird mir lang. Ich fange an, mir Gedanken über Dinge zu machen, die im Bereich des…

…Utopischen liegen. Ich habe Fieber. Ich phantasiere. Zum Beispiel, dass mein Buch ein Erfolg werden könnte. Nein, ich glaube an mein Buch. An ein Buch zu glauben, lohnt sich. Ein Freund schrieb mir kürzlich diesen Satz. Sein Mut hat mir Mut gemacht und mich in meinem Glauben bestärkt. Doch halte ich die Sache mit dem Erfolg trotzdem für fraglich. Wenn ich mir die Zahl der jährlich in Deutschland erscheinenden Bücher vorsage – 90.000 – dann würde es an ein Wunder grenzen, wenn ich auch nur ein ganz klein wenig wahrgenommen würde. Aber der Tüchtige braucht eben auch Glück. Das Glück des Tüchtigen. Ach, ja, daher.

Ich darf meine Erwartungen nicht zu hoch hängen. Dabei kann ich noch nicht einmal genau sagen, welche Erwartungen ich überhaupt habe. Ebenso gut könnte man mich fragen, warum ich schreibe. Warum singt ein Vogel? Warum geht die Sonne auf? Warum dreht sich die Erde? Eine andere Frage, die ich mir stelle – den Erfolg unterstellt: Wer muss ich eigentlich sein als Autor? Wie muss ich sein? Als Mensch mit Wurzeln in der Werbung, also mit Marketing-Migrationshintergrund eine Frage, die für mich nicht überraschend kommt. Als Autor mit Erfolg wird man zu einer öffentlichen Figur. Wie klein oder groß die Öffentlichkeit auch sein mag, du musst eine gute Figur abgeben, damit du im Aufmerksamkeitswettbewerb wahrgenommen wirst. Die Figur muss sogar herausragend sein. (Bitte wörtlich nehmen.) Denn nur, wer herausragt, wird in der Menge überhaupt gesehen. So funktioniert das.

Die Frage: Wie ragt man heraus aus der Menge? Das Buch alleine kann es nicht schaffen. Ich sage nur: 90.000. Oder 1 zu 89.999. Ich muss meinem Buch also zur Seite stehen. Ich muss mich größer machen, herausragen. Wenn die Autorfigur herausragt, kauft der Leser auch das Buch, hoffe ich, glaube ich. Eigne ich mich überhaupt für die Rolle der herausragenden Person? Ach was, das Buch sei der Star. Obwohl, ganz ehrlich: Für mein Buch würde ich alles tun. Jederzeit. Nicht nur in der Phantasie. Noch 68 Tage bis zum B-Day. Spinn weiter.