Beloved Valentine

Ich hatte zwei. Die eine hatte einen Kugelkopf, die andere immer einen kleinen Koffer dabei. Ich erinnere mich, dass die mit dem Köfferchen (außer eben diesem) auch einen wohlklingenden Namen trug: Olympia Monica De Luxe. Die andere hieß schlicht Eibi – Eibi M. Ähnlich wie seinerzeit Boney M. Was sich jedoch hinter M Punkt verbarg, weiß ich bis heute von beiden nicht zu sagen.

Bevor mir die mit dem Kugelkopf meinen Kopf verdrehte, war ich lange mit der kleinen Olympia zufrieden gewesen. Mit Olympia Monica De Luxe, die ich nur Olympia –  meine Olympia – nannte; sie war die Erste, auf der ich meine Erfahrungen machte. Wenn ich ehrlich bin, war sie eher ein unscheinbarer Typ. Ihr Äußeres ein schlichtes Hellgrau. Ihr Farbband ein dezentes Schwarz. Rückblickend denke ich, dass sie mit ihrem außergewöhnlichen Namen ihrer gewöhnlichen, deutschen Herkunft etwas mehr Glanz verleihen wollte. Aber verlassen konnte ich mich auf sie – und rumhacken wie ich wollte.

Eibi M. war da schon anders. Sie war gut gebaut, wie man so sagt. Dazu trug sie ein rotes Kleid. Ihre üppigen Formen und das Rot ihres Kleides machten sie zu einer Erscheinung, die einfach nicht zu übersehen war. Da störte auch nicht ihr etwas seltsam kugelförmiger Kopf, den sie zudem marionettenhaft abrupt bewegte. Trotzköpfchen – wie sie deshalb genannt wurde – stammte aus den Vereinigten Staaten; eine Amerikanerin aus einem Dorf namens Armonk in der Nähe von North Castle im US-Bundesstaat New York. Eine Dorfschönheit, die es in die Stadt geschafft hatte. Ein Typ mit Typehead.

Aber Eibi war damals einfach das Beste, was man unter die Finger bekommen konnte. (Es war die Zeit, in der der PC noch nicht in der Welt und Apple eben noch ein Label der Beatles gewesen war.)

Eibi M. aus Armonk – sie war wirklich die Beste… Nun, ja, mit Ausnahme einer Italienerin vielleicht; einer gewissen Valentine. (Walentine, bitte! Nicht Wälentein!) Diese Valentine war optisch zwar etwas schrill, aber dennoch eine Schönheit. Ein sehr ungewöhnlicher Typ aus sehr gutem Hause. Sie war eine Olivetti. Und die Olivettis eine der angesehenen Turiner Familien. Für Eibi war die schöne Valentine, in ihrem roten Designer-Outfit, eine ernsthafte Konkurrentin, neben der Eibi plötzlich plump und schwerfällig wirkte. Die grazile Italienerin trug ein noch viel roteres Kleid. Ein mutiges Rot. Ein schreiendes Rot. Ein rosso fortissimo. Valentine habe ich nie persönlich kennengelernt. Aber geschwärmt habe ich lange für sie.

Heute weiß ich: Während Olympia für mich die treue Begleiterin war, kann ich – wenn ich an Eibi denke – von einer ganz besonderen Beziehung sprechen. Doch wie das eben so ist: Wirklich begehrt habe ich Valentine. Wohl auch, weil ich sie nie bekommen habe. Mein Wunsch ist unerfüllt geblieben.