»DAS BUCH IST EINE PROVOKATION«

Für die Angehörigen von NS-Tätern bedeutet die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ihrer Familie oft eine große Belastung. Die Berliner Historikerin und Psychologin Tanja Hetzer bietet…

…Seminare zur Familiengeschichte. Bücher wie das von Walter Chmielewski haben für sie mehr als eine literarische Bedeutung.

Frage: Inwieweit sind die Kinder von NS-Tätern heute gebrandmarkt?
Antwort: Das ist eine hochpolitische Frage. Schließlich geht es nicht um Einzelfälle, es waren Hunderttausende in der Waffen-SS, viele haben große Brutalitäten begangen und waren dennoch auch Familienväter. Das Buch von Walter Chmielewski ist auch ein Zeugnis dafür, dass das geht: Ich kann mich diesen schwierigen Gefühlen stellen. Das ist eine Provokation, weil sich das nicht viele trauen.

Frage: Welche Bedeutung haben Bücher wie das von Chmielewski?
Antwort: Solche Bücher sind wichtig für die Überlebenden und deren Nachfahren; dass die Kinder von deutschen Tätern sich stellen und zeigen, welche Mühe sie das kostet und wie sie auch von der Verleugnung profitiert haben. Dass Täter ein Gesicht und eine Familie bekommen, dass es ein Gegenüber gibt, das Verantwortung für das Wissen um die Taten übernimmt, auch wenn erst in der 2. und 3. Generation, das ist wichtig für die Opfer.

Frage: Was hilft dem Kind eines NS-Täters?
Antwort: Es als Menschen in seiner ganzen Würde annehmen, seine Existenz nicht infrage stellen. Und hinschauen: Welche Rolle hatte Dein Vater? Er war vielleicht liebevoll als Vater, aber auch von unerträglicher bestialischer Brutalität. Und man muss diese zwei Personen, Kind und Vater, auseinanderhalten.

ZUR PERSON: Dr. Tanja Hetzer, Jahrgang 1966, studierte Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie deutsche Sprach- und Literaturwissenschaften. 2011 schloss sie ihre Ausbildung in Prozessorientierter Psychologie am Institut für Prozessarbeit in Zürich ab. Am Hanuman Institut in Berlin, das sie mitgegründet hat, entwickelt und leitet sie historisch-prozessorientierte Seminare zur Familiengeschichte für Menschen der zweiten und dritten Generation nach dem Nationalsozialismus und Holocaust. (Interview: Martina Scheffler, dpa)

 »(…) So zieht uns diese Geschichte, die unbedingt erzählt werden musste, von Anfang bis Ende in ihren Bann – eine starke Autorenleistung!« FELIX HUBY

http://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/leben/detailansicht-leben-in-bayern/artikel/mein-vater-der-massenmoerder.html

Holger Schaeben
DER SOHN DES TEUFELS
Aus dem Erinnerungsarchiv des Walter Chmielewski
480 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
€ 24,80 / CHF 29,80
ISBN 978-3-906276-18-2
2015, Offizin Verlag, Zürich

Presse/Veranstaltungen:
Annette Maria Rieger
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Autor: Holger Schaeben, Schreibkraft; schreibt Bücher für seine Auftraggeber (als Ghostwriter) und für seine Leser (als Holger Schaeben)