Ghostwriter unter Generalverdacht?

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Der Deutschlandfunk gibt heute (16.11.2012) »Einblicke in eine Betrugswirtschaft«. »SCHREIBENDE GEISTER UND IHRE AUFTRAGGEBER« so der Titel des Beitrags, der um 19:15 Uhr im Radio zu hören sein wird. Das Dossier dazu fand ich hier: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dossier/1878637/

Als Schreiber, insbesondere als Ghostwriter, fühle ich mich…

…angesprochen: Erstens sind Einblicke im Radio nicht möglich. Radio ist fürs Ohr, nicht fürs Auge. Zweitens könnte bei einem unbedarften Leser des Dossiers zur Sendung der Eindruck entstehen, dass die Arbeit des Ghostwriters per se illegal sein könnte. Die Unterzeile »Einblicke in eine Betrugswirtschaft« verführt dazu, dies zu glauben.

2 Kommentare zu "Ghostwriter unter Generalverdacht?"

  • Akademischer Ghostwriter
    17/11/2012 - 12:34 pm

    Als einer der gößten und am längsten tätigen Akademischen Ghostwriter muss auch ich zu dem Beitrag einen kurzen Kommentar schreiben. Der Beitrag ist eine Katastrophe, schlecht recherchiert und komplett neben der Sache. Kaum ein Beitrag zum Thema Ghostwriting hat Tiefgang, aber dieser hier, schlägt dem Faß den Boden aus. Fast 45 Minuten quält sich sich der Zuhörer durch die Sendung ohne auch nur die geringste fundierte Information zu erhalten. Da wird von einer Betrugswirtschaft, ja Industrie gesprochen. Angeblich sitzt da ein Ghostwriter der im Sekundetakt die Aufträge annimmt und abwickelt, 1/3 alle wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten, über 900 (!) sollen von Ghostwritern erstellt werden. Das wäre ein Auftragsvolumen von allein und 10 Mio Euro nur für Doktorarbeiten in Wirtschaftswissenschaften. Der ganze Markt müssten dann so um die 100 Mio Euro hergeben, das wäre dann wirklich schon ein Industriezweig. Gegen so einen journalistischen Beitrag würde selbst Münchhausen wie ein Weisenknabe aussehen. Nichts davon hat auch nur das Geringste mit der Realität des Ghostwritermarktes zu tun. Es gibt nur 2-3 wirklich große Ghostwritingagenturen, die alle zusammen nicht viel mehr Umsatz machen als eine gutgehende Pommesbude am Kurfürstendamm. Das ist schon alles! Ansonsten gibt es unzählige Gelegenheitsghostwriter die kaum Einnahmen über dem Harz IV Satz erwirtschaften können und sich, wie viele freie Journalisten auch, von Monat zu Monat durchhangeln.
    Es gibt keine bombastische Nachfrage nach Ghostwriterdienstleistungen. Die meiste Zeit steht mein Telefon still und auch meien Mailbox quillt nicht vor Anfragen über. Da ist einfach kein Bedarf!
    Ich frage mich, wer ein Interesse daran hat, einen Bereich der unwichtiger und unbedeutender kaum sein könnte, so maßlos zu überschätzen? Jetzt denkt sogar schon der Hochschulverband über Gesetze nach, dem Ghostwriting Einhalt zu gebieten. Wozu? Da ist nichts und da war nichts!

    • Holger Schaeben
      18/11/2012 - 10:31 am

      Der akademischer Ghostwriter verfasst wissenschaftliche Arbeiten für seine Klientel. Bei Ablieferung der Arbeit gibt er vor, nicht zu ahnen, was der Auftraggeber damit tun wird. Er kann sich nicht vorstellen, dass daraus Magister- oder Doktorarbeiten werden könnten; dass sich sein Auftraggeber zukünftig mit fremden Federn schmücken wird. Ich denke, es geht darum und nicht darum, ob ein Ghostwriter so viel oder so wenig Umsatz macht wie eine gutgehende Pommesbude auf dem Kurfürstendamm. Oder habe ich etwas falsch verstanden? Dann bitte ich um Aufklärung.
      Es sei jedem freigestellt als akademischer Ghostwriter zu arbeiten und Geld damit zu verdienen. Was mir nicht gefällt, ist, dass akademische Ghostwriter den ganzen Stand der Ghostwriter in schlechtem Licht erscheinen lassen. Gefördert wird dieser Eindruck natürlich von Medienbeiträgen, in denen Journalisten pauschal von „Grauzone“ sprechen, wenn sie etwas über Ghostwriter bringen, aber eigentlich doch nur die akademischen Ghostwriter meinen. Ich würde mir hier eine deutlichere Differenzierung wünschen. Außerdem distanziere ich mich vom akademischen Ghostwriting. Ich bin da ganz ähnlicher Meinung wie Kollege Smuda.