Ghostwriting – Keine Arbeit in der Grauzone

Sehr geehrte Herren Piegsa und Dichmann! Ihr Beitrag im Deutschlandfunk (Campus & Karriere), ausgestrahlt am 07.04.2015, trug den Titel »Ghostwriting – Eine Millionen-Branche«. Als Ghostwriter fühle ich mich nicht nur angesprochen, sondern auf den Schlips getreten (den ich nicht trage). Auch Sie…

…(wie leider fast alle Journalisten-Kollegen) unterscheiden nicht im Geringsten zwischen seriösem Ghostwriting und sogenanntem akademischen Ghostwriting. Sie werfen alles in einen Topf. Und so kommt es ungefiltert in den Kopf des Zuhörers. Ihre Arbeit ist keine Arbeit, die von journalistischer Sorgfalt zeugt, sondern das ist dummes Zeug. Diese falsche Darstellung verlangt nach einer Gegendarstellung. Was glauben Sie, wie viele Ihrer Zuhörer jetzt überzeugt sind, dass Ghostwriter Betrüger sind, Menschen mit krimineller Energie? Das ist Pfusch beim Deutschlandfunk. Seröses Ghostwriting ist keine Arbeit in der Grauzone. Ihre Sendung diskriminiert einen ganzen Berufsstand, den, der retlich und offen arbeitenden Ghostwriter. Ghostwriting findet nämlich nicht im Schutz der Dunkelheit statt! Ich verstecke mich nicht. Auch meine Kollegen verstecken sich nicht.

Was, bitte, hat das mit seriösem Ghostwriting zu tun, wenn ein Student eine fremd-verfasste Arbeit fälschlicherweise als die eigene ausgibt, sie aber in Wirklichkeit von einem akademischen Vor-Schreiber hat schreiben lassen? Das ist Betrug und nicht Ghostwriting. Akademisches Ghostwriting lehne ich ab. Ich kann das begründen: Der akademische Ghostwriter verfasst akademische Arbeiten für seine Klientel. Bei Ablieferung der Arbeit gibt er vor, nicht zu ahnen, was der Auftraggeber damit tun wird. Er kann sich nicht vorstellen, dass daraus Master- oder Doktorarbeiten werden könnten; dass sich sein Auftraggeber zukünftig mit fremden Federn schmücken wird.
Es sei jedem freigestellt, als akademischer Ghostwriter zu arbeiten und „Millionen“ (Ihre Worte) damit zu verdienen. Was mir nicht gefällt, ist, dass akademische Ghostwriter den ganzen Stand der Ghostwriter in schlechtem Licht erscheinen lassen. Gefördert wird dieser Eindruck durch fahrlässige Unterstützung gewisser Journalisten, die Beiträge verfassen, in denen sie pauschal von „Grauzone” sprechen, wenn sie etwas über Ghostwriter bringen, aber eigentlich doch nur die akademischen Ghostwriter meinen. Ich würde mir hier eine deutlichere Differenzierung wünschen. Ich distanziere mich vom akademischen Ghostwriting. --- Weitere Worte fehlen mir – und das passiert mir selten. Ihr Ghostwriter Holger Schaeben.

Hier der Link zum Radio-Beitrag: http://www.deutschlandfunk.de/ghostwriting-report-eine-mill

Autor: Holger Schaeben, Schreibkraft; schreibt Bücher für seine Auftraggeber (als Ghostwriter) und für seine Leser (als Holger Schaeben)