Heiliger Strohsack! (frei nach Lukas – Kapitel 2)

Ein Mann versucht am Morgen des ersten Weihnachtstages ein Gasthaus zu finden, in dem er sich niederlassen könnte. Er will einen Kaffee trinken und die Zeitung lesen. Mehr nicht. Das erste Gasthaus, das er anfährt, hat…

…geschlossen, und auch beim zweiten findet er die Tür abgesperrt vor. Beim dritten Gasthaus, das geöffnet hat, sind alle Tische schon reserviert; der Oberkellner weißt ihn ab. Nein, für Sie ist kein Platz mehr. Schöne Weihnachten, mein Herr!

Der Herr sucht weiter. Beim vierten Gasthaus dasselbe: Leider, mein Herr, das Haus ist schon voll. Der Mann gibt nicht auf. Die Hoffnung treibt ihn an; dorfauf, dorfab, dorfauf, dorfab. Er fährt in Orte, die er noch nie zuvor gesehen hat. Du bist ein Esel, denkt er, nein, ein Ochs, dass du glaubst, du würdest am Weihnachtstag… aber dann, plötzlich, gegenüber einer kleinen Kirche sieht er ein Haus. Licht, Lichterketten und rote, leuchtende Sterne, strohgeschmückt. In der Tür steht eine blonde Frau, die raucht. Sie trägt eine weiße Schürze. Der Mann hält inne und dann an, er parkt seinen Wagen.

Gute Frau, haben sie wohl einen Platz für mich, an dem ich einen Kaffee trinken und die Zeitung lesen kann? Die Frau lächelt: Herein! Das ist ein Café, ein Bauerncafé, da werden wir wohl Kaffee haben. Ich bin die Kellnerin, und einen Platz für jemanden wie sie werden wir doch wohl auch noch finden. Der Mann: Sie sind ein Engel! Ich hatte schon fast meinen Glauben verloren. Von der Kirche gegenüber ist Glockengeläut zu hören. Glücklich kehrt der Mann im Bauerncafé ein. Die blonde Frau drückt die Zigarette aus und geht dem Mann nach. Drinnen im Café läuft das Radio: Süßer die Glocken nie klingen… Heiliger Strohsack! Denkt der Mann, was für ein schönes Fest.

Autor: Holger Schaeben, Ghostwriter, Journalist, Schreibkraft