Egal, ich mach das jetzt einfach

Walt Whitman – Selfmademan: Dichter, Essayist, Journalist, Selfpublisher
(Bildquelle © famousauthors.org)
 

Als Jugendlicher war ich Bücherleser. Dann habe ich das Lesen lange vergessen. Ich wurde Fernsehgucker, Radiohörer, Ausgeher. Anfang der Neunziger bekam ich dann ein Buch in die Hand, das mich nach vielen Jahren der Leseabstinenz wieder zum Leser gemacht hat. Es sei erwähnt:…

…Robert Schneiders Schlafes Bruder war´s. Angefixt vom Buchstoff, begann ich zu lesen wie ein Süchtiger. Ich wurde Hardcore-Leser. Lesen war Glücksgefühl. Ich wollte mehr davon und immer mehr. Dann kam die Zeit, in der ich selbst mit dem Schreiben begann. Ich fing einfach damit an. Bald merkte ich: Schreiben war auch Glücksgefühl. Und ich wollte auch davon mehr und immer mehr. Wenn mich heute einer fragt: Mit bewussten Entscheidungen hatte das alles nichts zu tun. Ich habe getan, was ich gefühlt habe. Zuerst gelesen, dann geschrieben (und gelesen). Ich habe mich vom Konsumenten zum Produzenten gedreht, ohne es geplant zu haben. Ich machte den Stoff jetzt selbst. Immer mehr davon. Ich schrieb um des Schreibens willen. An Geld habe ich dabei nie gedacht. Aber irgendwann an Öffentlichkeit. Aus Eitelkeit? Ich kann es nicht sagen. Ich denke, ich wollte schlicht, dass meine Texte gelesen werden. Ich wollte eine Rückmeldung vom Leser. Reich und berühmt werden? Höchst unwahrscheinlich.
Dann passierte wieder etwas vollkommen Ungeplantes: Ich wurde Verleger. Ich wurde Manager, Organisator, Koordinator. Ich nahm eine Arbeit auf, von der ich keine Ahnung hatte. Ich wurde Publisher in eigener Sache. Den Begriff dazu gab es noch nicht. Auch eBooks gab es noch nicht. Und BoD war noch in den Kinderschuhen. Die Qualität war in meinen Augen nicht gut genug. Also musste ich klassisch produzieren. Es ging dabei gar nicht so sehr um das Buch, das ich geschrieben hatte, als um die Sache. Ich wollte herausfinden, ob ich auch in der Lage war, ein Buch zu finanzieren und zu produzieren; und, ob ich durchhalten würde. Das Buch kam heraus – und wurde? Richtig: kein kommerzieller Erfolg. Im Gegenteil: Ich habe das Projekt mit eigenen Mitteln subventioniert. Egal, ich mach das jetzt, hatte ich mir ja vorher gesagt. Und so bin ich Autor-Verleger geworden. Ich habe unglaublich viel gelernt. Und ich habe etwas gewonnen: Wissen. Wenn ich auch keinerlei finanziellen Gewinn gemacht habe.
Die Jährchen gingen ins Land und in diesem Land tauchte am Horizont plötzlich das eBook auf. Was ist das? Das ist doch kein richtiges Buch, sagten die etablierten Verleger, und taten es ab, straften es mit ihrer Missachtung. Sie hatten eine Menge davon. Das ist was für uns, sagten sich jedoch einige Schreiber; jene, die aufgrund existierender Marktmechanismen nie einen Verlag finden würden und die bis dato aufgrund ökonomischer Zwänge, niemals ein Buch selbst würden produzieren können. eBook, Selfpublishing – Ja, ich fühlte mich angesprochen. Worin die einen das iGittbuch sahen, erkannte ich für mich eine interessante Möglichkeit, etwas Neues zu probieren. Ich beschloss, selbst ein eBook zu machen. Egal, ich mach das jetzt einfach, habe ich mir wieder einmal gesagt. Heute – ein paar Wochen später – finde es großartig, gerade weil man es als etwas Eigenes in die Welt setzt. Es ist lustvoll, wenn auch manchmal mit Qualen verbunden. (Es macht noch Lust und Qualen, es ist noch nicht in der Welt). Und natürlich habe ich auch diese Fragen gehört: Warum Selfpublishing? Hast Du keinen Verlag gefunden für deine Texte. Das sind Fragen, die ich mir längst schon selbst gestellt hatte. Ja, ich habe bisher keinen Verlag gefunden. Aber was sagt das schon? Ich könnte sicher wochenlang meine Zeit mit der Ergründung vertrödeln und würde doch immer nur die stets gleichen Thesen, Meinungen und Erklärungen stoßen. Das aber ist ein Lesestoff, der mich langweilt; nicht immer, aber häufig. Erfahre ich doch selten etwas Neues. Lieber mache ich etwas Neues. Just do it! Ich will immer noch, dass meine Texte gelesen werden. Ich will immer noch Rückmeldung vom Leser. Reich und berühmt werden? Unwahrscheinlich. Aber egal. Hat das Selfpublishen nicht auch ein bisschen etwas Ungreifbares (für manche noch Unbegreifbares)? Ist da nicht eine große Ungewissheit über das, was passieren wird? Wie es mit all dem Neuen, bisher nicht Dagewesenen ist? Lasst uns anfangen und schauen, dann werden wir es sehen.