My Generation

Als ich noch jung war, so achtzehn, zwanzig, da war jeder Mensch, der älter war als ich, alt. Twens mit Mitte zwanzig waren schon alt, Dreißigjährige waren noch älter, Vierzigjährige waren sehr alt, Fünfzigjährige uralt, Sechzigjährige steinalt und alle, die über 70 waren, konnten nur Zombies sein. Und heutzutage? Was ist heute…

…eigentlich alt, ich meine, richtig alt? 70 ist doch kein alter mehr. Wenn – wie erst kürzlich geschehen – schon 70-jährige locker sechs Tage in einer Gletscherspalte überleben; ohne Folgeschäden, sechs Tage, in 15 Meter Tiefe, auf nur zwei Quadratmetern, bei einer Temperatur um den Gefrierpunkt. Und wenn deren größter Wunsch nach der Rettung ein Radler ist, ja dann, dann sollten wir vielleicht viel gelassener in unsere Zukunft schauen. Eventuell sollten wir dabei mehr trinken. Am besten etwas aus dem Eisfach? Nehmen wir Udo Jürgens. Der Mann wird 2014 satte 80 Jahre alt und wirkt irgendwie total alterslos, im schwarzen Anzug wie im weißen Frotteebademantel. Ob es am griechischen Wein liegt? Weise war er ja schon mit Anfang Vierzig, da wusste er bereits, dass mit 66 noch lange nicht Schluss sein würde. 2013 geht er wieder auf große Tournee. Unzählige Auftritte! Und da geht dann aber immer wieder so was von die Sonne auf, dass sicher auch die tiefste Gletscherspalte hell erleuchtet sein wird.

Was ist nur aus den Alten geworden? Als ich noch jung war, so achtzehn, zwanzig, da wurde Sechzig- und Siebzigjährigen schon die Messe gelesen – und zwar die letzte. Heutzutage werden Menschen in diesem Alter – Verzeihung – geschäftlich ausgeschlachtet. Die Messe »Die 66« ist Deutschlands erfolgreichste 50-plus-Messe. Sie findet im München und Leipzig statt. Best Ager können sich da wie dort zu Themen wie Gesundheit, Wohnen, Reisen, Mode, Sport, Finanzen, Kultur, Pflege und vieles mehr informieren. Wenn Sie noch nicht dabei waren, wird es höchste Zeit, sagt der Veranstalter. Warum höchste Zeit? Vielleicht weil die Zielgruppe schon etwas älter ist? Wer weiß das schon. Sicher ist: Auf der Messe trifft man nicht nur Silberlocken wie Ruth (66), die virtuos mit dem Blackberry umgehen kann, sondern auch Uschi Glas und Jutta Speidel, Lena Valaitis und Tony Marshall, Patrick Lindner und Tom Mandl. Also die üblichen Verdächtigen, die die älteren Messebesucher-Herrschaften schon aus den samstagabendlichen Volksmusikparaden kennen. Sie werden sich freuen, sie wiederzuerkennen.

Am Schluss noch einige wichtige Merksätze von Harald Hordych worauf Leute unter 50 im Umgang mit Leuten über 50 achten sollten: Nicht laut und überdeutlich sprechen. Nicht ungefragt einen Sitzplatz anbieten. Nicht ungefragt erklären, was Ugg-Boots sind. Nicht auf das iPhone zeigen und sagen: „Damit kann man telefonieren!“ Niemals das Wort noch im Zusammenhang mit Komplimenten verwenden: „Sie sind ja noch schlank, Sie sind ja noch fit, Sie sind ja noch da.“ Und möglichst nicht fragen: „Wie war das denn bei euch damals?“ (Harald Hordych ist stellvertretender Leiter der »SZ am Wochende«)