Selfpromotion für Selfpublisher, 2. Teil

Auch die Arbeit an der eigenen Marke gehört zu den selbst gewählten Aufgaben des Selfpublishers. Hier ein Beispiel von Vermarktung ohne eigenes Dazutun (Bildquelle © John Kropewnicki /Fotolia)

 

Im ersten Teil über das Ende, das ein Anfang sein muss, habe ich über den Erstling gesprochen. Der Erstling ist das Werk eines Neulings; es ist das erste Werk eines Autors, den kein Schwein kennt. Zunächst merkt der Buchmarkt-Neuling…

…davon noch nichts. Er ist ganz mit sich beschäftigt, besoffen vor Glück darüber, dass sein Buch endlich das Licht der Welt erblickt hat. Und zwar ohne Geburtshilfe Dritter. Also ohne Verleger. Sein Buch war sozusagen eine Hausgeburt. Er brauchte kein Verlagshaus. Der Selfpublisher ist Selfmademan: Autor, Hersteller, Publizist.

Doch ein Buch – um im Bild zu bleiben – ist wie ein Kind. Ist es erstmal auf der Welt, muss man sich ständig um Aufzucht und Pflege kümmern. Aus dem Buch wie aus dem Balg soll ja schließlich mal etwas werden. So sind Eltern. Auch Bucheltern (Autoren/Autorinnen) sind da nicht viel anders. Mit dem Unterschied, dass sich ein Autor-Elter immer wünscht, dass möglichst viele Exemplare seines Buches weggehen. Sprich verkauft werden. Die Kindseltern dagegen wünschen sich stets, dass ihr Kind möglichst nie weggeht. Sprich lange zuhause bleibt. Aber das ist eine andere Geschichte. Das Buch muss jedenfalls raus in die Welt. Der Leserkreis daheim reicht nicht. Zwar wird der Erstlingsautor einige Exemplare im Kreise der Familie und im Freundeskreis verkaufen können, aber auf hohe Stückzahlen wird er nicht kommen. Da nützt auch die Existenz einer Großfamilie wenig. Und auch der Buchbedarf des realen Freundeskreises wird bald gedeckt sein.

Der Selfpublisher: Das unbekannte Wesen

Der Selfpublisher – unser Selfpublisher – ist so unbekannt wie sein Erstling. Also muss er für sich und sein Buch trommeln. Schließlich will er sein Buch ins Gespräch und damit an die Leserin und den Leser bringen. Der Selfpublisher wird nun auch noch zum Öffentlichkeitsarbeiter. Selbst und ständig muss er alles selber machen. Was kommt wohl noch? Zunächst einmal kommt es jetzt drauf an: Der gewiefte do it yourself Publisher hat von Anfang an an einem Gesamtkonzept geschnitzt und gefeilt. Der weniger gewiefte dachte nur an ein Gesamtkunstwerk bestehend aus Geschriebenem und Gedrucktem, dass zwischen zwei Buchdeckel eingepasst wird und dann zwischen tausenden von anderen Büchern am Point of Sale verstaubt. Er hat nicht bedacht, dass ein Buch, von dessen Existenz nur der Selfpublisher selbst etwas weiß, nicht gekauft und nicht gelesen wird als habe es nie existiert. Selbst Schuld.

Tun wir so, als gehörte unser Selfpublisher zu den gewieften oder den ziemlich gewieften, jedenfalls nicht zu jenen, die sich mit der Regalplatzierung begnügen. Er will auch einen Platz im Herzen der Leser erobern; und wenn es nur so viele sind, die sein Buch kaufen, dass er die Kosten, die er mit der Produktion und Veröffentlichung hatte, decken kann. Das will er, nicht mehr und nicht weniger. Was kann er tun?

Geschüttelt und gerührt: Der Marketing-Mix

Das Zauberwort heißt Marketing, Buchmarketing, Selbstmarketing. Der Selfpublisher denkt dabei an Anzeigen, Kampagnen, Plakate, Radiospots. Werbung soll ihm helfen, sein Buch zu vermarkten. Die richtigen Verlage machen es doch auch so. Hier muss ich mit zwei Missverständnissen aufräumen: 1. Marketing ist nicht Werbung und 2. Klassische Werbung ist für den klassischen Selfpublisher so gut wie nicht bezahlbar.

Marketing ist ein Mix aus vier Instrumenten; im Englischen: Product, Price, Place, Promotion. Zu Deutsch: Produkt, Preis, Vertrieb, Kommunikation. Das Produkt hat der Selfpublisher, es ist sein Buch (eBook oder BoD oder beides). Den Verkaufspreis dafür hat er auch festgelegt und er weiß auch, wo er es verkaufen will. Jetzt kommt die Werbung ins Spiel. Werbung nutzt bestimmte Kommunikationsstrategien, -mittel und -wege, um ausgewählte Zielgruppen zu erreichen. Ziel ist es, das beworbene Produkt (hier das Buch) mittels Kommunikation bekannt zu machen, dessen Verkauf zu fördern und dem Autor ein Image zu verpassen. Nun kann der Selfpublisher das auf klassischen Kommunikationswegen versuchen: Anzeigen, Kampagnen, Plakate, Radiospots. Dann aber muss er mit abschreckend hohen Kosten rechnen und wird das Kapitel Werbung sofort wieder schließen. Und weil er das nicht will, muss er auch hier selbst ran. Er muss jetzt den richtigen Mix für ein eigenes Konzept selbst entwickeln.

Fazit: Auf den Erstling des Selfpublishers hat die Welt nicht gewartet. Zu dumm. Auf klassische Werbung kann sich der Selfpublisher nicht stützen. Zu teuer. Auf Erfolg will der Selfpublisher aber auch nicht verzichten. Zu einfach.

Hier endet der zweite Teil über das Ende, das ein Anfang sein muss. Fortsetzung folgt…