Das Schwarzer Bankgeheimnis

Manche Menschen haben so viel Geld, dass sie nicht wissen, wie viel sie eigentlich davon besitzen. Andere sind noch schlimmer…

…dran: sie wissen nicht mal mehr, wie viele Konten sie haben – und vor allem wo. Da ist zum Beispiel der Fall von Frau Emma* (*Name von der Redaktion geändert). Frau Emma hatte ein hübsches Sümmchen bei einer Schweizer Privatbank gebunkert. Das hatte sie dem Fiskus in Deutschland verschwiegen.
Wahrscheinlich hatte sie das mit dem Schweizer Bankgeheimnis irgendwie falsch verstanden.
Anfang des Jahres wurde dieses »Missverständnis« öffentlich. Eigentlich hätte es ein Geheimnis bleiben sollen. Denn Steuerstrafverfahren nach Selbstanzeige sollen laut deutschem Gesetz geheim bleiben. Frau Emma hatte sich selbst angezeigt und brav 200.000,- Euro nachgezahlt. Dann hatte aber ein bekanntes deutsches Nachrichten-Magazin darüber berichtet und das Geheimnis war keines mehr.

Und jetzt noch das: Frau Emma hat ein Haus in Gummersbach. Bei einer Hausdurchsuchung am 20. Mai durch Beamte des örtlichen Finanzamtes soll festgestellt worden sein, dass Frau Emma dem Finanzamt Gummersbach eine weitere Summe verheimlicht hat.
Noch ein Bankgeheimnis? Noch ein Konto? Noch ein »Missverständnis«? Wieder hatte das bekannte deutsche Nachrichten-Magazin davon erfahren und am 6. Juni darüber in seiner Online-Ausgabe berichtet. Schon wieder eine Veröffentlichung! Das Schwarzer Bankgeheimnis bröckelt.

Frau Emma hat das alles nicht kommentieren wollen. Sie gibt aber zu, von ihrem Haus in Gummersbach gewusst zu haben. Immerhin.

Mein Kommentar dazu: Frau Emma ist Publizistin. Was macht eine Publizistin? Sie publiziert. Publizieren bedeutet wörtlich genommen, was? Richtig: veröffentlichen. Veröffentlichen? Aha! Hat sie wohl nicht immer so wörtlich genommen. Jedenfalls nicht durch die Bank.

Autor: Holger Schaeben, Ghostwriter, Journalist, Schreibkraft