Grüß Scott!

Unter dem Kommando von Captain Kirk erkundete das Raumschiff Enterprise in den 1960er-Jahren die grenzenlosen Weiten des Universums. Kirk und seine Crew widmeten sich der Entdeckung unbekannter Lebensformen. Sprich, sie suchten nach intelligentem Leben außerhalb ihres Raumschiffes.

An der Seite von Kirk: Mr. Spock, Erster Offizier und Wissenschaftsoffizier, der Raumschiffsarzt Dr. Leonard McCoy, der dynamische Navigator Hikaru Sulu sowie der schrullige Chefingenieur Montgomery Scott. Mit Scotty, wie ihn seine Bordsfreunde nannten, verbinden wir auch den legendären Satz: „Beam me up, Scotty”. Das an Scotty gerichtete Kommando hatte immer denselben Anlass: „There is no intelligent life on this planet!” Also nix wie weg hier. Allerdings – und jetzt kommt´s:  Der Satz wurde in dieser Form in der gesamten Serie so nie gesagt. Aber so ist das eben mit Legenden: sie sind die nächsten Verwandten von Märchen und Sagen.

Scotty muss hier herhalten, weil ich in Oberammergau unweigerlich an ihn erinnert wurde. Beim Bäcker belauschte ich eines Morgens zwei amerikanische Touristen. Die beiden hatten sich eine Coffee-to-go bestellt, waren dann aber nicht gegangen und saßen mit Blick auf die Dorfstraße vor ihren Coffe-to-go-Bechern. Nun ja, die Geschichte ist schnell erzählt. Ich hatte mir eine Tasse Kaffee bestellt, saß neben ihnen und konnte gar nicht anders, als zuhören. Vollends aufmerksam wurde ich aber, als einer der beiden zwei Worte in seinen Satz einflocht, die mir bekannt waren, aber doch ganz anders klangen: Grüß Scott. Hatte er tatsächlich Grüß Scott gesagt? Das Gespräch schien eine interessante Entwicklung zu nehmen und ich lauschte nun ganz freimütig. Ich hörte, wie der andere meinte, dass ihm das so noch gar nicht aufgefallen sei. Da er aber erst gestern Abend angekommen wäre und außer seinem Hotelbett noch nichts vom Dorf gesehen hätte, fand er das normal. Der Gesprächspartner, aus dessen Erklärungen ich schloss, dass er schon länger in Oberammergau weilte, war offenkundig der festen Überzeugung, dass ein gewisser Scott in Oberammergau sehr bekannt sein musste. Menschen, die er im Dorf treffen würde, höben jedes Mal den Kopf zum immer gleichen Gruß: Grüß Scott!

Nach dieser Ausführung hatte ich meinen Kaffee auf und dachte: Nix, wie weg hier. Auf dem Weg nach Hause, fand ich, dass die beiden Außerirdische gewesen sein mussten, die mit ihrem Raumschiff vom Lichtjahre entfernen nordamerikanischen Planeten gekommen waren. Und das sie wahrscheinlich deshalb auf der Suche nach intelligentem Leben waren, weil es auf ihrem Planeten keines gab. Oder sie hatten sich mal eben nach Oberammergau beamen lassen. Wir erinnern uns: durch die Technologie des Beamens war es der Enterprise-Besatzung möglich, nahe gelegene Reiseziele, etwa einen Planeten, bedeutend schneller zu erreichen, als in Raumschiffgeschwindigkeit. Genau gesagt, wurden beim Beamen Lebewesen oder Objekte in ihre Moleküle zerlegt und am Zielort sofort wieder zusammengesetzt. Möglicherweise war der eine von beiden, der die Geschichte mit diesem gewissen Scott erzählte, nicht wieder richtig zusammengesetzt worden, was vermutlich seiner Intelligenz geschadet hatte. Als dritte These kam noch in Betracht, dass es einfach amerikanische Touristen waren, wie man sie überall auf der Welt treffen kann. Und da heißt es immer: Reisen bildet.

Ich habe die letzten drei Jahre auf dem Land gelebt. Herausgekommen ist ein Buch, ein unsachliches Sachbuch, ein subjektives Buch über das Erleben auf dem Land (in Oberammergau). Es ist das Zeugnis eines Selbstversuchs. Es erzählt von Städtern, die sich auf dem Land versuchen… ein Experiment. Die Versuchsergebnisse werden hier in Auszügen nachzulesen sein – Glossen eigentlich – ironisch, kritisch, pointiert und manchmal auch bissig. Land kann ganz schön fruchtbar sein, wenn man es literarisch beackert. Warum ich das Buch auch geschrieben habe? Alles, was mit Land zu tun hat, erfreut sich in den letzten Jahren unglaublicher Beliebtheit. Es ist eine Epidemie: die Landliebe. Und wie wir wissen, macht Liebe blind. Es wurde daher Zeit, dass mal jemand einen Gegenentwurf bringt und nicht auch in den großen Chor, der über die ewige Lust vom Leben auf dem Lande singt, einstimmt.

Verlag gesucht: »Grüß Scott!« ist ein Kapitel aus dem Manuskript, das vierundreißig Nachrichten vom Erleben auf dem Land umfasst und aus dem ein Buch werden soll. Der Titel: »Es ist ein hartes Leben in der Provinz… – Aber einer musste es tun«