Meine Worte: Ihre Lebensgeschichte

Er oder sie haben nichts gemeinsam mit dem Bio-Ei, der Bio-Banane oder dem Bio-Rindfleisch. Dennoch ist bei ihnen alles Bio. Gemeint sind…

…die Biografen. Sie schreiben über das Leben anderer Personen – Biografien, Lebengeschichten. Wer sich im Leben einen Namen gemacht hat, also berühmt oder zumindest bekannt ist, hat oft auch einen eigenen Biografen. Da gibt es den X – den Biografen von Elton John, den Y – den Biografen von Willy Brandt oder die Z – die Biografin von Königin Beatrix, pardon: Ex-Königin. Berühmte Persönlichkeiten haben es leicht, ihr Leben zwischen zwei Buchdeckeln fassen zu lassen. Biografen stürzen sich wie Paparazzi gerne auf Stars und Prominente, schließlich nutzt das auch ihrer eigenen Person; werden die Biografen doch häufig in einem Atemzug mit ihren berühmten Auftraggebern genannt: Max Biomann, der Biograf von… Dieser Satz (meist ist er in TV-Dokus zu lesen oder zu hören) wirft auch ein wenig gesllschaftlichen Glanz, den die Berühmtheit umgibt, auf den Biografen. Und wenn es gut läuft für den Auftragsschreiber, nutzt ihm das auch materiell.

Wer namenlos ist (wie die meisten Menschen auf diesem Planeten), aber auch ein interessantes Leben lebt oder gelebt hat und daraus berichten will, kann dennoch nicht erwarten, dass die Biografen bei ihm Schlange stehen. Sie oder er muss entweder selbst zur Feder greifen oder beauftragt einen Ghostwriter.

Ich habe mir das Thema »Lebengeschichten« hier nicht zufällig rausgepickt. Die häufigsten Anfragen, die ich als Ghostwriter Holger Schaeben erhalte, kommen von Menschen, die die Geschichte ihres Lebens aufschreiben lassen möchten. In den meisten Fällen sind es übrigens Frauen, die eine Biografie in Auftrag geben wollen. Die am häufigsten gewählten Suchworte derer, die einen Ghostwriter wie mich suchen, sind dabei: Buch schreiben, Ghostwriter, ein Buch schreiben, Recherche, Bücher schreiben. Die Wenigsten haben eine Vorstellung davon, wie ein Ghostwriter arbeitet, was dessen Arbeit kostet, wie aus dem Geschriebenen ein Buch wird, wie der Stoff einen Verlag findet. Tausend und eine Frage. Und das geht so: Mein Handy klingelt. „Ich möchte ein Buch schreiben lassen, Sie sind doch Ghostwriter, wie geht das und was kostet das?“ So oder so ähnlich höre ich das immer wieder am Telefon. Oft rufen diese Menschen anonym an, keine Telefonnummer, kein Name. Sie sind neugierig und mir gegenüber gleichzeitig misstrauisch. Sie wollen am Telefon genaue Auskunft, im Prinzip schon ein Stück (kostenlose) Beratung, wollen sich aber nicht zu erkennen geben. Ich soll mich für sie und ihre Story interessieren, kenne sie aber genauso wenig wie sie mich. Eine nicht ganz einfache Situation. Ich versuche ihnen dann zu erklären, dass meine Arbeit als Ghostwriter genau hier ansetzt. Kann sein, dass andere Ghosts da anders vorgehen. Für mich ist Ghostwriting eine Arbeit, bei der Vetrauen besonders wichtig ist. In der Praxis heißt das: Der Anrufer, die Anruferin, muss sich, wenn möglich, mit mir treffen. Anders geht es nicht. Ich will meinen zukünftigen Auftraggeber kennenlernen, heraushören, was an seiner Geschichte dran ist und ob sie Potenzial für ein Buch hat. Fragen, deren Klärung auch im Interesse des Auftraggebers sein sollten. Wenn es sich einrichten lässt, komme ich kurzfristig zu einem ausgemachten Treffpunkt, an einen öffentlichen Platz, an einen neutralen Ort, in eine Hotel-Lobby zum Beispiel. Bei kürzeren Entfernungen bis 50 Kilometer um meinen Schreibtisch herum, kostet das den möglichen Auftraggeber nichts, darüber hinaus berechne ich eine Fahrtkostenpauschale und bei größeren Distanzen eine Hotelübernachtung. Wenn es dem möglichen Auftraggeber ernst ist mit seinem Buchwunsch, dann nimmt er diese Kosten gern in Kauf. Wenn er oder auch sie das anders sieht, ist das ein suboptimaler Einstieg. Wer etwa nur über Facebook mit mir einen Kontakt aufbauen möchte, der sollte selbst schreiben oder jemanden aus dem Bekannten- oder Familienkreis fragen. Möglich, es gibt einen Onkel mit Schreibtalent oder eine Lehrerin oder einen Kollegen aus dem Büro oder einen Mitstudenten an der Uni. Irgendwer wird gerne beim Verfassen des Buches helfen.

Wer dennoch von mir schreiben lassen möchte, muss gewisse Regeln einhalten. Regel Nummer 1: Eine umfassende und verbindliche Beratung ist am Telefon nicht möglich. Regel Nummer 2: Ein persönliches Treffen ist für die Zusammenarbeit unerlässlich. Regel Nummer 3: Wem ich vertrauen soll, der muss auch mir Vertrauen entgegen bringen. Ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe. Am Anfang genügen mir Ihr Name und Ihre Telefonnummer. Wenn Sie Ihre ganze Lebensgeschichte von mir aufschreiben lassen möchten, sind ein Name und eine Telefonnummer, die Sie mir anvertrauen, nicht zuviel verlangt. In diesem Sinne: Ihr Ghostwriter Holger Schaeben freut sich auf Ihren Anruf: 0160-8442463. (Meinen Namen und meine Telefonnummer hätten Sie hiermit schon.)