Sprachloser Intellekt

Satzfetzen können einen Gedanken auslösen. Im Tagesspiegel las ich neulich: „Sprache formt und organisiert den Intellekt.“ Aha, dachte ich: Wenn Intellekt nicht vorhanden ist, was formt und organisiert dann die Sprache? Kann es ohne Intellekt Sprache geben? Sozusagen: Einen sprachlosen Intellekt? Wäre ich sprachwissenschaftlich geschult, könnte ich darauf eine entsprechende Antwort geben.

Was ich weiß: Der Intellekt wird umgangssprachlich mit der Vernunft und dem Verstand in Beziehung gebracht. Damit sind wir – unter Anwendung unseres normalen Menschenverstandes – schon ziemlich nahe an der wissenschaftlichen Begriffserklärung. Danach bezeichnet der Intellekt die Fähigkeit, unter Einsatz des Denkens, Erkenntnisse und Einsichten zu erlangen. Wer Intellekt hat, verfügt also über Denk- und Erkenntnisvermögen. Beides ist bestimmt nicht ganz unnütze, wenn es um die Ausbildung des Sprachvermögens geht.

Denken ist ja überhaupt sehr hilfreich bevor wir den Mund aufmachen. „Wenn einer einen klaren Gedanken hat, kann er ihn auch ausdrücken.“ So dachte, schrieb und sagte es der französische Philosoph (Bild über Anleser) Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592). Im Umkehrschluss heißt das: Wenn einer von einer Sache keine Ahnung hat oder (obwohl über Kenntnisse verfügend) nicht gründlich genug nachgedacht hat, was und wie er darüber reden könnte, sollte es lieber die Klappe halten, bevor er uns mit seinem Geplapper sprachlos macht.

Dass Verstand quasi die Voraussetzung für verständliche Sprache ist, war uns schon klar, als wir noch halbstarke Jungs waren: „Schalt erst mal dein Gehirn ein, bevor du dummes Zeug redest.” Unsere Worte.