Wer kann Ghostwriter?

„Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ Mark Twain hat das gesagt, jedenfalls wird ihm dieses Zitat zugeschrieben. Soweit mir bekannt ist, hat Mark Twain nicht…

…als Ghostwriter gearbeitet. Was er über das Schreiben gesagt hat (…wenn er es gesagt hat), trifft dennoch fürs Schreiben allgemein zu, also auch für das Ghostwriting.

Ein guter Ghostwriter zeichnet sich aber nicht allein dadurch aus, dass er beim Schreiben die falschen Wörter weglässt. Ein Ghostwriter muss mehr können. Ein Ghostwriter muss eine große Neugier mitbringen, er muss an Menschen interessiert sein, an Themen. Er muss spüren, ob eine Geschichte, die ihm anvertraut wurde, das Zeug zu einem Buchstoff hat. Er muss den Willen haben, sich tief in fremde Themengebiete einzuarbeiten. Ein Ghostwriter muss viel Einfühlungsvermögen mitbringen. Er muss in die Rolle einer anderen Person schlüpfen, aus deren Perspektive schreiben können. Ein Ghostwriter muss sich unter Umständen monatelang mit einem anspruchsvollen, nervenaufreibenden Stoff „quälen“ können. Ein Ghostwriter sollte ein Freund akribischer Recherche sein. Er darf sich nicht vor großen Textmengen fürchten. Er sollte ein disziplinierter Arbeiter sein, nicht selten auch ein Schnellschreiber. Ein Ghostwriter darf auch nicht übermäßig eitel sein, da er selten in Erscheinung tritt. Ein Ghostwriter bleibt meist unsichtbar, arbeitet im Verborgenen, die Lorbeeren erntet nicht er, Aufmerksamkeit und Anerkennung wird seinen Auftraggebern zuteil. Ein Ghostwriter muss darüber hinaus die ökonomischen Aspekte seiner Arbeit im Blick haben. Das Honorar muss aus seiner Sicht angemessen sein, sodass es auch über lange Strecken seinen Mann nährt. Ja, es muss sogar so fair kalkuliert sein, dass es ihn auch über Frustphasen während des Schreibens hinwegtröstet.

Und dann muss der Ghostwriter auch darauf achten, dass die Thematik oder die Person, über die er schreibt, genug Distanz zu seinem journalistischen Arbeitsbereich hat, um Interessenskonflikte ausschließen zu können. Der Ghostwriter muss seine Arbeit dazu nach den Grundsätzen des Pressekodexes ausüben. Dies sind Publizistische Grundsätze, die der Deutsche Presserat 1973 vorgelegt hat. Als da wären:

1. Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde: Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste  Gebote der Presse.

2. Sorgfalt: Nachrichten und Informationen sind auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.

3. Richtigstellung: Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erweisen, sind unverzüglich richtigzustellen.

4. Grenzen der Recherche: Bei der Recherche dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden.

5. Berufsgeheimnis: Die vereinbarte Vertraulichkeit und das Berufsgeheimnis sind zu wahren; Informanten werden ohne deren Einverständnis nicht preisgegeben.

6. Trennung von Tätigkeiten: Journalisten und Verleger üben keine Tätigkeiten aus, die die Glaubwürdigkeit der Presse in Frage stellen könnten.

7. Trennung von Werbung und Redaktion: Redaktionelle Veröffentlichungen dürfen nicht durch private oder geschäftliche Interessen der Journalisten, Verleger oder Dritter beeinflusst werden. Auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Werbung ist zu achten.

8. Persönlichkeitsrechte: Die Presse achtet das Privatleben, die Intimsphäre sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Menschen.

9. Schutz der Ehre: Menschen sind nicht mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild in ihrer Ehre zu verletzen.

10. Religion und Weltanschauung: Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.

11. Sensationsberichterstattung und Jugendschutz: Auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid ist zu verzichten sowie der Jugendschutz zu beachten.

12. Diskriminierungen: Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen odernationalen Gruppe diskriminiert werden.

13. Unschuldsvermutung: Die Berichterstattung über Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung gilt auch für die Presse.

14. Medizin-Berichterstattung: Bei medizinischen Themen ist eine sensationelle Darstellung zu vermeiden, die Hoffnungen oder Befürchtungen beim Leser erwecken könnten. Noch nicht abgeschlossene Forschungsergebnisse sind als solche darzustellen.

15. Vergünstigungen: Eine Annahme von Vorteilen, die die Entscheidungsfreiheit von Redaktionen beeinträchtigen können, sind abzulehnen. Wer sich bestechen lässt, handelt unehrenhaft.

16. Rügenveröffentlichung: Eine faire Berichterstattung gebietet es, vom Deutschen Presserat ausgesprochene Rügen zu veröffentlichen.

Haben Sie bis hierhin gelesen? Ihr Ghostwriter Holger Schaeben bedankt sich für Ihr Interesse.