GHOSTWRITER SIND DIENSTLEISTER

Schreiben bis zum letzten Hemd? (Bildquelle © Wikimedia Commons, dem freien Medienarchiv)

Ghostwriting ist eine Dienstleistung, für die man bezahlen muss. Punkt. So wie man einen Architekten für seine Arbeit bezahlen muss oder eine Putzfrau. Das scheint aber noch nicht bei jedem…

…angekommen zu sein, der bei mir anfragt, weil er ein Buch schreiben lassen möchte. „Ich habe gedacht, Sie schreiben erstmal und wenn es sich verkauft, dann bekommen Sie Geld.“ Das ist nur einer jener Sätze, die ich von nicht wenigen Menschen, die bei mir ein Script in Auftrag geben möchten, zu hören bekomme. Gut ist auch dieses Beispiel: „Für mich kommt so eine Art Zusammenarbeit nicht in Frage. Wo ich nicht weiß, ob was Sicheres bei rauskommt und ich dann vielleicht Geld verliere. Also wenn dann bei erfolgreicher Verlagssuche mit Vertrag gerne von den Verkäufen des Buches ihre Courtage. Ansonsten kommt diese Art Geschäft nicht für mich in Frage.“ Und bis dahin darf der Ghostwriter umsonst arbeiten, ja? Wenn es nicht regelmäßig vorkäme, dass ich mit derartigen Anfragen und Kommentaren konfrontiert würde, ich würde es mir hier ersparen, darüber auch nur einen Satz zu verlieren. Aber es kommt leider doch häufig vor und es ist an der Zeit, dass ich dazu Stellung beziehe: Leute! Ghostwriter sind Dienstleister! Ghostwriting ist eine Dienstleistung! Ich möchte für meine Autorentätigkeit anständig bezahlt werden; ich möchte überhaupt dafür bezahlt werden! Und das ist nicht unanständig! Bevor ihr also zum Telefon greift und mir ein oder zwei Stunden meiner Beratungszeit stehlt – weil die eurer Meinung nach natürlich auch nichts kosten darf – denkt lieber mal scharf nach. Geht ihr vielleicht auch einer Arbeit nach, für die ihr bezahlt werden wollt? Oder arbeitet ihr für Luft und Liebe? Hört ihr von eurem Chef am Monatsende auch immer diesen Satz? „Also Geld kriegen sie für diesen Monat erst, wenn ich mit ihnen zufrieden war oder wenn sich das Produkt, an dem sie da mitarbeiten, verkauft. Sonst, sorry, gehen sie leider leer aus.“

Man glaubt es nicht: Manchmal sind sogar Kandidaten dabei, die wie ich selbst ein eigenes Geschäft betreiben, also selbstständig sind, ihre Leistung gegen Geld verkaufen müssen, so wie ich. Also wissen müssten, wie es funktioniert. Ich frage mich dann immer, ob diese Menschen wirklich so naiv sind oder nur so tun. Müssen doch selbst eine Existenz sichern. Möglicherweise haben sie nicht nur Verantwortung für sich selbst zu tragen. Vielleicht haben sie Familie, die sie ernähren müssen. Vielleicht gibt es eine Frau zuhause oder einen Ehemann. Sie zu ihm: „Du, Schatz, war heute wieder richtig super in meinem Laden.“ Wahrscheinlich freuen sie sich dann beim gemeinsamen Abendessen einen Ast ab, dass sie heute wieder ganz umsonst gearbeitet hat…

Autor: Holger Schaeben, Schreibkraft; schreibt gute Bücher für seine Auftraggeber (als Ghostwriter gegen gutes Geld) und für seine Leser (als Holger Schaeben im guten Glauben, dass es sie interessieren könnte)

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